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Aktuell:

 

Erster Internetauftritt zu allen Stasi-Besetzungen in den 15 Regionen der DDR

 

 

 

 

näheres: 

 

http://buergerkomitee1501berlin.de/aktuelle-meldungen/stasi-besetzung/

 

 

 

Kritik an Abwicklung der Stasi-Forschung.

 

http://buergerkomitee1501berlin.de/aktuelle-meldungen

 

 

 

 Kritik an den Vorschlägen des Bundesbeauftragten für  die Stasi-Unterlagen zur Abwicklung von Außenstellen

 

 

http://www.buergerkomitee1501berlin.de/aktuelle-meldungen/pm-2-19-zum-aussenstellenkonzept-des-bstu/

 

 

 

Elektronische Rekonstruktion der Stasi-Akten faktisch tot

 

 

 

Jahn-Behörde blockiert seit Jahren Freigabe von zwei Millionen €uro für die Weiterführung des Projektes

 

14 Januar 2019

 

 

 

http://www.buergerkomitee1501berlin.de/aktuelle-meldungen/pm-2-19-zum-aussenstellenkonzept-des-bstu/

 

 

 

Abriss auf dem ehemaligen Stasi-Gelände

http://www.buergerkomitee1501berlin.de/mfs-gelaende/bund-will-abreissen/

 Dazu der Film

https://youtu.be/eGCWvmrkDnU

 

 Bundestag beschließt

Abwicklung der Stasi-Unterlagenbehörde

http://buergerkomitee1501berlin.de/abwicklung-der-stasiunterlagenbehoerde/

  

Wir Suchen: 

Privat-Fotos aus dem Alltag von Lichtenberg & Hohenschönhausen von 1984-1994 gesucht.

 

-Speziell auch zur Stasi und Stasiauflösung

 

bueko_1501_berlin@web.de

 

Kritik an Abwicklung der Stasi-Forschung.

http://buergerkomitee1501berlin.de/aktuelle-meldungen/m-3-19-stasiforschung/

 

Elektronische Rekonstruktion der Stasi-Akten faktisch tot

 Jahn-Behörde blockiert seit Jahren Freigabe von zwei Millionen €uro für die Weiterführung des Projektes

14 Januar 2019

 http://www.buergerkomitee1501berlin.de/aktuelle-meldungen/pm-2-19-zum-aussenstellenkonzept-des-bstu/

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sonntag, 2. Februar 2020

Stasi-Geländeführung: 

Das ehemalige Stasi-Gelände in Lichtenberg

Ganz früher, früher, heute, irgendwann……Auch zum Thema Abriss

 

 

Rückschau 2019

 

7.12. Fahrradtour. Stätten der Opposition

 

21.11.19  18.30 Uhr

DDR-Korrespondenten – 30 Jahre danach

 

25. 11. 2019 18.30 Uhr

Salli Sallmanns Salon.

Die Westberliner Schriftstellerin Anja Tuckermann und die aus Ostdeutschland stammende Schriftstellerin Kerstin Hensel im Gespräch 

 

 6. November 2019 um 19.00 Uhr

 

„Alles war möglich – oder doch nicht? Die Ostberliner Kunstszene in der „Wende“-Zeit 1989/90 am Beispiel des ACUD.“

 

In der Berliner Geschichtswerkstatt Golzstraße

 

 

 24.9.2019 Salli Sallmanns Salon 

 

 

   

 

Mit Wolfgang Brenner und Ekke Maaß

 

9.10. 2019: 18.30 Uhr

Jugendradio DT 64 in der "Wende"

 mit Michael Schiwack

 

 

 

 

 

 

12.9.2019


Abwicklung der Stasi-Unterlagenbehörde-Eine Kontroverse

19.30 Uhr Bartholomäus Kirche Berlin

 

24.7.2019 18.00 

"Blockflöten" oder Widerstandsnester?

Geschichte der Blockparteien in der DDR

mit Siegfried. Suckut

 

20. Februar 2019 um 17 Uhr

Ausstellungseröffnung mit Film: Fußball im Hinterhof der Stasi.

 

Veranstaltungsrückblick

 

29.11.2018 18.30 Uhr

 

Von der Novemberrevolution zu den Märzkämpfen (nicht nur) in Berlin-Lichtenberg. Dr. Siegfried Heimann.

 

Fr, 30.11.18 I 18.00 Uhr

 

Berlin-Filme zur Migration

 

Wir bleiben hier, Dirk Otto, DDR, 1990, 31' (deutsch)

 

Zentralflughafen THF, Karim Aïnouz, Deutschland/Frankreich/Brasilien, 2018, 97’ (OmEngUT)

 

 

13.11.2018, 18.30 Uhr 

 

Im Rahmen des Vortragszyklus zum linken Revolutionsmythos


Vortrag Dr. Martin Jander. Revolutionsmythos der 68er-Bewegung

  

24. 10. 2018, 18. 30 Uhr

Revolutionsheld oder Totengräber der parlamentarischen Demokratie?

 Karl Liebknecht in der Novemberrevolution.

10.10. 2018, 18.30 Uhr 

 

Staat und Revolution bei Marx und Lenin.

 

Vortrag Wolfgang Templin

 

 

11. September 18.30 Uhr

1968 Ost trifft 1968 West

-1968 und die Folgen für 1989 und bis heute

 

am 28. August 2018 

Anhörung zum Thema Stasi-Gelände in Berlin Lichtenberg 

 

 4. Juni 2018

DDR GESCHICHTE-ZEITZEUGEN: Martin Brama  

 

13. Juni 2018

Der Arbeiteraufstand am 17. Juni 1953: Lutz Rackow

 

12. April 2018 

Sexueller Missbrauch in der DDR

 

 1. März 2018 

Einst als Bürgerrechtler gehätschelt, jetzt als „AfD-Anhänger“ verpönt?

 

 15. Januar 13.30 Uhr

Bunker auf dem Stasi-Gelände Sonderführung

 

14. Januar 2018

 Aktion Fehlschlag

Massenverhaftung gegen  Ausreisewillige und Oppositionelle rund um die Liebknecht-Luxemburg-Demonstration am 17. Januar 1988 

  

7. Dezember 2017 

Tödliche Missverständnisse.

Fluchtversuche von DDR-Bürgern bis 1989 über Bulgarien  

 

14. November 2017
 
Die Haftanstalt in der Magdalenenstraße
oder wie die Stasi nach Lichtenberg kam- vom NKWD zur Stasi

 

17. Oktober  2017  1

Der Traum ist aus. Nikaragua heute.

 

 

13. Juni 2017 18.30 Uhr 

Spur der Steine, DEFA-Film 1966. .inführung: Ralf Schenk, DEFA-Stiftung

 

24. Mai 2017

Abreißen, Bewahren, Umgestalten?

 Zur Zukunft  des ehemaligen Stasi-Geländes in Berlin -Lichtenberg

 

  

25. April 2017 19.00 Uhr  

Prof. Martin Sabrow: Erich Honecker. Teil eins einer Biographie

 

 28. März 2017

„Die braune Saat“  

Antisemitismus, Rassismus und Neonazismus in der DDR

Buchvorstellung von Harry Waibel

  

18. Januar  2017

Prof. Johannes Weberling: 25 Jahre Stasi-Unterlagen-Gesetz

 

15. Januar 2017 

Die Stasi-Rolle

 Geländeführung und Reportagen von SPIEGEL-TV auf dem Stasi-Gelände in Berlin Lichtenberg

 

16.12.2016 

Filme von Andrej Wajda

mit Wolfgang Templin

  

9. 11.2016

Berlin: Eine Stadt mit tausend Gesichtern

Historische Stadtspaziergänge Dr. Martin Jander

  

Oktober 2016

Dr. Helmut Müller-Enbergs: Geheimdienste im Kalten Krieg

Anmeldung: bueko_1501_berlin@web.de

http://www.buergerkomitee1501berlin.de/

 Stellungnahme zur Auflösung der Stasi-Unterlagenbehörde

http://buergerkomitee1501berlin.de/aktuelle-meldungen/

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Inventar zur Auflösung des MfS/AfNS unter besonderer Berücksichtigung der Geschehnisse und Archive in Berlin

 

Hg. Aufarbeitungsverein Bürgerkomitee 15. Januar e.V.[1]

 

 

Inhalt

 

Einleitung

Übersicht über wichtige Bestände/Archive

Einzelne Bestände und Teilbestände, Mustersignaturen und Musterdokumente.

-Bundesarchiv

-SAPMO/Parteiarchive

-BStU

-andere

-Landesarchiv Berlin

-andere

NGOs

RHG

andere

 

 

Einleitung

 

Forschungsstand und Unterlagen

Das Thema Stasi-Auflösung gilt zuweilen als ausgeforscht, da es inzwischen nicht wenig Literatur zu diesem Thema gibt.[2] Bei genauerer Betrachtung gibt es jedoch erstaunliche Blindflecken. Die bekanntesten Monografien, so verdienstvoll sie sein mögen, sind aus sehr spezifischen Situationen heraus entstanden, bzw. stellen die Ereignisse 1989/90 aus bestimmten Perspektiven heraus dar, was auch meist ihrer Quellenauswahl geschuldet ist. Eine der frühesten Darstellungen basiert auf Vorarbeiten aus der staatlichen Stasi-Auflösungsbürokratie und wurde von zwei Personen, die als Vertreter der Kirche bzw. des Bürgerkomitees Normannenstraße die Zivilgesellschaft beim Auflösungsprozess vertraten, redigiert und herausgegeben.[3] Eher publizistischen Charakter trägt ein Band, der schon in der Auflösungszeit selbst in engem Kontakt zu den radikaleren Berliner Stasiauflösern entstand, die sich zunächst in der AG (Staats-)Sicherheit des Zentralen Runden Tisches und seiner operativen Gruppe zusammengefunden hatten, die dann fast bis zur deutschen Einheit innerhalb der staatlichen Strukturen in ständigem Konflikt mit diesen tätig waren.[4] Überwiegend mit Unterlagen des MfS/AfNS wurde in einer ausführlichen Monographie Vorgeschichte, Umstrukturierung und Auflösung des Geheimdienstes bis ungefähr zum Ende der Regierung Modrow beschrieben.[5] Stärker als diese bezieht eine andere Studie die gesellschaftlichen Prozesse ein, beruht aber stark auf publizistischen Quellen, deren Wahrheitscharakter nicht immer verifiziert ist.[6] Fast schon unübersehbar ist die Zahl von Publikationen zu regionalen Geschehnissen, die nicht selten von ehemals in der Stasi-Auflösung engagierten Bürger inspiriert oder gar geschrieben wurden. Auch in zahlreichen autobiographischen Politikererinnerungen, vereinzelt von ehemaligen MfS-Mitarbeitern[7] wird das Thema mit abgehandelt.[8] Akteurs-geprägte Darstellungen sind oft stark von gängigen Narrativen durchdrungen, ohne die Ereignisse wirklich quellengesättigt zu reflektieren. So ist bis heute immer wieder von den Toren in der Stasizentrale die Rede, die als die Demonstration am 15. Januar 1990 dort begann, geheimnisvoll von Innen geöffnet worden seien,[9] obwohl dieser Mythos längst aufgeklärt ist. Eine gewisse Neubelebung erhielt die Diskussion durch Behauptungen eines SED-Insiders, die SED-Reformer, voran Ministerpräsident Modrow, hätten die Stasi bewusst geopfert, um die SED zu retten.[10] Dies aber führte bislang eher zu einem polemischen Schlagabtausch über die Frage, ob die Bürgerbewegung manipuliert worden sei, ohne zu einer wirklich soliden quellengesättigten Revision der bisherigen Sichtweisen geführt zu haben. 

Bislang fehlte eine vergleichende Gesamtschau auf die Ereignisse in den, mit Ostberlin, 15 Bezirken der DDR. In Ansätzen existiert sie im neuen Internetauftritt Stasibesetzung.de, der derzeit kontinuierlich ausgebaut wird. Er zeigt schon jetzt, dass die Abläufe teilweise ähnlicher, teilweise aber auch deutlich unterschiedlicher sind als bisher angenommen. Allein der häufig vorgetragene Satz, dass im Dezember alle MfS/AfNS- Bezirksverwaltungen besetzt bzw. von Bürgerkomitees begangen und in Beschlag genommen wurden, erweist sich als problematisch. Die Berliner Bezirksverwaltung z.B. wurde von den Geschehnissen Anfang Dezember 1989 zunächst gar nicht tangiert, dann aber von „oben“ aufgelöst. Ihre Geschichte war bis vor kurzem fast gar nicht erforscht,[11] was auch der schwierigen Überlieferungslage geschuldet ist.[12] Erstaunlicher Weise gibt es auch keine fundierte Analyse des Handelns der Regierung Modrow,[13] deren Rolle bislang eher als getrieben und widerstrebend bremsend interpretiert wurde. Die im Zusammenhang mit der Erstellung des Inventars gesichteten Unterlagen deuten jedoch darauf hin, dass die Regierung einen deutlich aktiveren Part spielte und viel sensibler und flexibler auf die politischen Entwicklungen reagierte, als bislang angenommen.[14] Auch die Rolle der letzten DDR-Regierung unter Lothar de Maizière in der Frage des Umganges mit der Stasi-Erbschaft ist nur unzureichend analysiert. Dies gilt insbesondere für deren Interaktion mit der Bundesregierung im Zuge der Vorbereitung der Deutschen Einheit, aber auch für die Rolle der sogenannten Regierungskommission. Nicht zuletzt fehlt eine Untersuchung der „Helden“ der Stasi-Auflösung, der Bürgerkomitees und anderen Gremien, in denen Angehörige der Zivilgesellschaft bei der Stasi-Auflösung mitwirkten. Dies gilt sowohl für die Rolle der Oppositionellen und Exponenten der neuen politischen Bewegungen wie für die der ehemaligen systemnahen Blockparteien und Mitglieder von ad hoc Gruppen.

Diesen Defiziten steht, trotz gelegentlich frappanter Lücken, eine sehr breite Quellenbasis gegenüber, die allerdings nicht immer einfach zu identifizieren, aufzufinden und zu bearbeiten ist. Dieses Inventar soll daher all jenen helfen, die Forschungslücken schließen oder einfach nur regionalen Ereignissen genauer auf den Grund gehen wollen. Auf Grund einer entsprechenden Förderung[15] konzentriert sich das Inventar vorrangig auf die Berliner Ereignisse und Bestände. Allein wegen der damaligen und heutigen Hauptstadtfunktion kommen dennoch überregional bedeutsame Geschehnisse und Quellen in den Blick, obwohl Ostberlin seinerzeit bei der Stasiauflösung scheinbar hinterherhinkte.

Auf Grund der Fülle der Quellen wird der Fokus vor allem auf die Phase der „eigentlichen“ Auflösung des MfS/AfNS während der Modrow-Ära gelegt. Doch auch die Quellen für die Zeit danach, die der demokratisch gewählten Volkskammer, die von ihr bestimmten Regierung sind ergiebig. Sie hatten wichtige „Restarbeiten“ zu erledigen und den Umgang mit der Stasi-Hinterlassenschaft, insbesondere mit den schriftlichen Quellen selbst, zu regeln. Auf Grund der Auflagen der Erstförderung treten die Quellen der Stasi-Unterlagenbehörde (BStU) etwas mehr in den Hintergrund, als sie es vielleicht verdienen. Die Ursachen liegen einerseits in Datenschutzbedenken, andererseits in der bis heute immer noch wirkenden relativen Findmittelintransparenz der BStU-Bestände. Kurioser Weise bieten die online-Findmittel des Bundesarchivs (Argus) inzwischen einen besseren Überblick über die Stasi-Akten als die online-Findmittel des BStU selbst.

Nicht Gegenstand des Inventars sind Foto-, Film- und Tonträgerbestände, Bibliotheksbestände und Sammlungen von Zeitzeugenbefragungen, wiewohl diese die Analyse der schriftlichen Überlieferung zweifelsohne bereichern. Zu verweisen ist an dieser Stelle auf das Deutsche Rundfunkarchiv der öffentlich-rechtlichen der ARD verbundenen Sendeanstalten Frankfurt/Main und Potsdam, das auch das entsprechenden DDR-Ton und Bildträgermaterial des staatlichen Rundfunks und Fernsehens übernahm. Von für Fotos hervorragender Bedeutung ist das Fotoarchiv der einstigen DDR-Agentur ADN im Besitz des Bundesarchivs. Jenseits dieser inzwischen hervorragend digital bzw. online erschlossenen Archivbestände verfügen die meisten der hier dargestellten Archive neben schriftlichen Dokumenten auch über historische Foto-, Ton- und Filmsammlungen und historische Buchbestände.

Das Inventar gliedert sich nach den jeweiligen Archiven. Nach einer jeweils kurzen Einführung wird anhand der Teilbestände erläutert, welche Themenfelder hier schwerpunktmäßig zu erwarten sind und auf entsprechende Findmittel hingewiesen. Da manche Akten im Zuge dieser Recherchen quasi „nacherschlossen“ wurden, können zuweilen präzisere Aussagen als in den zugänglichen Findmitteln gemacht, außerdem Beispiele von Einzelsignaturen, sogar Einzeldokumenten präsentiert werden.

Zunächst werden die einschlägigen Archive des Bundes, vorrangig das Bundesarchiv am Standort Berlin-Lichterfelde und das Archiv der Stasi-Unterlagenbehörde in den Blick genommen.[16]

Eine Besonderheit stellt die Stiftung für die Akten der Parteien und Massenorganisationen (SAPMO) beim Bundearchiv dar. Bedauerlicherweise verfügt sie nicht über die Überlieferung aller dieser Organisationen. Unter dem Einfluss der zum Zeitpunkt der deutschen Einheit in Bonn verantwortlichen Regierung wurden die Unterlagen der Blockparteien CDU und DBD, der CDU-nahen Konrad Adenauer Stiftung und die der LDPD und NDPD der FDP nahen Naumannstiftung zugeordnet, die auch die Zugangsbedingungen vorschreiben. Ob angesichts der hohen SED-Abhängigkeit dieser Parteien, deren Spitzenpersonal SED-Nomenklaturkader war, diese Entscheidung wirklich sachgerecht oder nicht eher politisch motiviert war, muss an dieser Stelle nicht erörtert werden. Der Zugang für ostdeutsch-orientierte Recherchen ist deswegen allein schon örtlich schwieriger. Dies ist bedauerlich, da die Blockparteien sowohl als Koalitionspartner der Regierung Modrow, als auch als Mitglieder in den quotierten Gremien der Runden Tische u.ä. eine bisher zu wenig wahrgenommene Rolle als sowohl Beschleuniger wie als Bremser der Stasiauflösung spielten. Die Akten der SED wurden zwar entsprechend einer vergleichsartigen Übereinkunft staatlichen Archiven überantwortet. Angesichts auffälliger Lücken kann man sich jedoch fragen, ob Bestände in der Übergangsperiode vernichtet oder schlicht nicht abgegeben wurden. Immerhin verfügt die der in Rechtsnachfolge der SED stehenden Linkspartei, vorher PDS, nahestehende Rosa-Luxemburg-Stiftung über einzelne Themenrelevante Signaturen.

Aufgrund der Berlin-Orientierung wird dem Landesarchiv Berlin besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Es kann aber stellvertretend für ähnliche Bestände in den entsprechenden Archiven der übrigen fünf ostdeutschen Bundesländer gesehen werden.

Angesichts des starken zivilgesellschaftlichen Engagements bei der Stasi-Auflösung haben Archive bzw. Sammlungen von Vereinen und Einrichtungen, die in dieser Tradition stehen, besondere Bedeutung. Hier dominiert in Berlin das Archiv der Robert-Havemann-Gesellschaft e.V. (RHG), aber auch andere Vereine wie die Antistalinistische Aktion (ASTAK) oder der Verein Bürgerkomitee 15. Januar e.V. verfügen noch über mehr oder minder systematische und erschlossene Bestände aus ihrer Geschichte. Das Robert-Havemann-Archiv, dass inzwischen institutionell staatlich gefördert wird, hat eine Zeitlang beansprucht das Archiv der Opposition zu sein, es hat sich aber in der Praxis gezeigt, dass dieser Anspruch vor allem außerhalb Berlins nur schwer zu realisieren ist, da dort oft Regionalinteressen nicht nur inhaltlicher Art dominieren. So finden sich dort in diversen Vereinen, Einrichtungen und bei Privatpersonen noch Unterlagen, die auch zum Verständnis der Berliner Ereignisse beitragen können. Dies betrifft vor allem die Frage der Vernetzung der Bürgerakteure und Bürgerkomitees, die letztlich zur Stillegung der Berliner MfS-Zentrale führten und die viele politische Impulse für den Umgang mit der Stasihinterlassenschaft gab. So hatte die wohl im Zusammenhang mit der Stasiauflösung bekannteste Persönlichkeit, der spätere Bundespräsident Joachim Gauck, eine reine Rostocker Regionalbiographie, bevor er über die Volkskammer zu einer prägenden Figur für den Umgang mit den Stasiakten werden sollte. Den meisten NGO-Archiven, so auch dem der RHG haftet das Problem an, dass ihre Bestände überwiegend nicht von Institutionen, sondern von Personen geführt bzw. in das Archiv eingebracht wurden. Selbst dort, wo es sich nicht um klassische Vor- oder Nachlässe handelt, sondern um Bestände zu Gruppen, wie z.B. Bürgerkomitees, verraten sie zuweilen mehr über die individuelle Arbeitsweise des einzelnen als über die der Institution selbst.  Entsprechend der damaligen Arbeitsweise der Bürgergruppierung, zumal ohne institutionelle Unterstützung und unter enormen Zeitdruck standen, sind die Bestände selbst da, wo sie fachlich qualifiziert erschlossen wurden, nicht immer wirklich systematisch. Es gibt zahlreiche Ungereimtheiten und Unklarheiten bei den Provenienzen der einzelnen Dokumente und reihenweise Doppelüberlieferungen. Auch wenn dies einen gewissen Charme hat, weil die Art der Überlieferung selbst ein Dokument der Zeit ist, sind derartige Bestände nicht einfach zu bearbeiten und zu verstehen. Sie verführen gelegentlich zu Fehlschlüssen, weil beispielsweise die staatlichen Handlungen nicht oder nur einseitig repräsentiert sind. Allerdings darf man froh sein, dass NGO-Archive vor allem wertvolle Vor- und Nachlässe vor der Zerstörung bewahren und meist auch eine unkompliziertere und zeitzeugennahe Nutzung ermöglichen. Aufgrund der inzwischen großen Zahl an Abgaben bei der RHG wurde auf die Recherche nach privaten Beständen weitgehend verzichtet bzw. führten diese insofern ins Leere, weil potentielle Aktenbesitzer entweder bereit sind, diese in ein Berliner Archiv ihrer Wahl zu geben oder sie nicht einsehen lassen. Das scheint außerhalb Berlins vollkommen anders, wo viele auf den berühmten Schuhkartons oder größeren Behältnissen sitzen, ohne zu wissen, wohin damit. Insofern hat der Verein Bürgerkomitee 15. Januar e.V. mit anderen Vereinen schon im Jahr 2017 die Initiative zu einem Sammlungsaufruf ergriffen, um derartige Bestände zu sichern.  

 

Berlin, 21.12.2019 Christian Booß,
Projektverantwortlicher für das Inventarprojekt des Aufarbeitungsvereins Bürgerkomitee 15. Januar e.V.

 



[1] Gefördert vom Landesbeauftragten für die Aufarbeitung der kommunistischen Diktatur, Berlin

[2] BStU Bibliografie zum Staatssicherheitsdienst der DDR

[3] Gill, David/Schröter, Ulrich: Das Ministerium für Staatssicherheit: Anatomie des Mielke Imperiums, Berlin 1991

[4] Worst, Anne: Das Ende eines Geheimdienstes. Oder: Wie lebendig ist die Stasi?, Berlin 1991

[5] Süß, Walter: Staatssicherheit am Ende, Berlin 1999

[6] Richter, Michael: Die Staatssicherheit im letzten Jahr der DDR, Weimar u.a. 1996

[7] Engelhardt, Heinz/Böhm, Peter: Der letzte Mann. Countdown fürs MfS, Berlin 2019

[8] Diestel, Peter-Michael: Aus dem Leben eines Taugenichts?, Berlin 2010; Gauck, Joachim: Winter im Sommer. Frühling im Herbst, Berlin 2010; Falkner, Thomas/Gysi, Gregor: Sturm aufs Große Haus: der Untergang der SED, Berlin 1990

[9] Kowalczuk, Ilko-Sascha: Endspiel: die Revolution von 1989 in der DDR, München 2011

[10] Wilke, Manfred: „Wenn wir die Partei retten wollen, brauchen wir Schuldige“. Der erzwungene Wandel der SED in der Revolution 1989/90. Interview mit Wolfgang Berghofer, in: Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung (2007), S. 396-421, hier 408f.

[11] Schöne, Jens: Erosion der Macht. Die Auflösung des Ministeriums für Staatssicherheit in Berlin, Berlin 2004

[12] Neuerdings: Booß, Christian: Auflösung von oben- eine weitgend unbekannte Geschichte. https://stasibesetzung.de/standard-titel/berlin (Zugriff 21.12.19)

[13] Aus der Perspektive ein Modrow Mitarbeiter: Arnold, Karl-Heinz: Schild und Schwert: das Ende von Stasi und Nasi. Berlin 1995

[14] Booß, Christian: Zu den Hintergründen der Stasibesetzungen - ein Recherchebericht. https://stasibesetzung.de/die-diskussionen-um-die-stasi-besetzung/default-title (Zugriff 21.12.19)

[15] Bab

[16] Es gibt freilich weitere, wie das Verwaltungsarchiv des Bundestages, der Bundesstiftung Aufarbeitung und andere, die Hinweise zum Thema enthalten können. Ersteres verfügt über die Protokolle des Bundestages und seiner Ausschüsse, die wie der Innenausschuss, manche Vorgänge in der DDR spiegelten. Die Stiftung verfügt z.B. über themenrelevante Vorlässe wie den des Oppositionellen Rainer Eppelmann.

Bildergalerie Wachstum und Ende eines Moloch

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https://youtu.be/1hq_imTJt-o